Montag, 5. Februar 2018

Rezension: "Vierter Stock Herbsthaus" von Oliver Susami

Ich habe seit längerem mal wieder ein E-Book gelesen und zwar handelt es sich um den Tatsachenroman "Vierter Stock Herbsthaus" von Oliver Susami. Der Autor ist mir schon öfter unter den Vorschlägen begegnet, wenn in den sozialen Netzwerken nach wirklich gruseligen Büchern gefragt wurde. Also habe ich mir jetzt mein erstes Buch von Oliver Susami vorgeknöpft. Unheimlich gut – oder doch nicht?

"Vielleicht sind wir zu jeder Sekunde unseres Lebens von den Toten umgeben."



Story


Nach seinem ersten Buch "S3: Spuk in der Bibliothek", in dem Oliver Susami seine Erfahrungen mit der Universitätsbibliothek schildert, meldeten sich laut seinem Vorwort in "Vierter Stock Herbsthaus" zahlreiche Personen, die auch Übernatürliches erlebt haben wollen. Unter den Geschichten findet er eine, die ihn sehr interessiert. Eine Medizinstudentin erzählt von den unheimlichen Erlebnissen, die sie in ihrer letzten Wohnung hatte. Namen und Schauplatz wurden zur Geheimhaltung ihrer Identität geändert.

Lena bekommt ein unschlagbares Angebot: Sie kann mit ihrer Freundin Paula in ein fast verlassenes, altes Haus ziehen – eine 65 m² Wohnung für schlappe 200,- Euro Miete. Einzige Bedingung: Die beiden sollen jeden Tag einen Rundgang durch das sechsstöckige Haus machen, um zu kontrollieren, ob alles noch intakt ist. Außer ihnen wohnt nur noch eine alte Dame im vierten Stock. Die beiden sind zunächst schwer begeistert, dann beginnen Lenas Albträume und sie will herausfinden, was es mit dem sogenannten Herbsthaus auf sich hat ...

Charaktere


Zunächst war mir die Ich-Erzählerin Lena ganz sympathisch, doch mit fortlaufender Handlung empfand ich ihre Entscheidungen als nicht ganz nachvollziehbar. Mit ihrer Freundin Paula wurde ich auch so gar nicht warm. Zu Beginn fand ich es ganz spannend, dass ein lesbisches Pärchen im Mittelpunkt der Geschichte steht. Allerdings wirkte die Beziehung der beiden in so gut wie keiner Szene harmonisch, was durch die Geschehnisse im Haus natürlich noch verstärkt wird. Man erfährt, dass die beiden schon seit einigen Jahren zusammen sind, aber irgendwie fehlte mir da in Lenas Erzählung ein wenig die Basis.

Auf die weiteren Charaktere will ich gar nicht so genau eingehen, denn dann würde ich spoilern, wer noch eine tragende Rolle in der Geschichte bekommt (auch, wenn ich es von Anfang an ziemlich offensichtlich fand).

Ich finde es schwierig, über die Charaktere zu urteilen, da sie ja auf realen Personen basieren. Es ist natürlich schwer zu sagen, welche Verhaltensweisen und Gedanken tatsächlich auf die echte "Lena" zurückgehen und wie viel davon auf die dichterische Freiheit des Autors.

Schreibstil


Kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt an "Vierter Stock Herbsthaus". Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn zum Einen ist er sehr umgangssprachlich. Das muss erst einmal nichts Negatives sein, denn es wirkte teilweise schon realistisch, dass eine Studentin so denkt und redet und man war irgendwie näher an ihr dran. Allerdings übertrug sich diese Umgangssprache auch auf alle anderen Charaktere, darunter auch ältere Doktoren, bei denen ich mir das in dieser Form einfach nicht vorstellen kann. Denn auch wenn ich in meiner Freizeit vielleicht eher flapsig rede, so bleibe ich doch in meinem Beruf eher sachlich. Daher war mir das dann insgesamt doch etwas zu viel des Guten und es hat mich stellenweise auch richtig genervt.

Zum anderen hätte dem gesamten Buch ein ordentliches Korrektorat gut getan. Anfänglich wollte ich noch über die kleinen Rechtschreibfehler – hier mal ein fehlender Buchstabe am Ende, dort ein fehlendes Anführungszeichen – hinwegsehen. Kann ja mal passieren, da drücke ich auch bei Selfpublishern ein Auge zu. Aber leider zog sich das in wirklich auffälligem Maße durch das Buch, gerade auch in Lenas Gedankenflüssen empfand ich es als irritierend, dass ständig Kommata fehlten. Selbst wenn jetzt argumentiert werden würde, dass ein Korrektorat finanziell nicht mehr drin war, so hätte man mit Sicherheit auch selbst noch so einiges an Fehlern ausmerzen können, wenn man sich das Buch vor dem Veröffentlichen nochmal ausdruckt und gründlich durchliest. Schließlich ist mir das schon ohne Augenmerk auf Fehler beim Lesen extrem aufgefallen.

Lesevergnügen


Ich muss sagen, nachdem so viele Leute Oliver Susamis Bücher als echt unheimlich empfohlen hatten, waren meine Erwartungen diesbezüglich doch recht hoch – schließlich beruht das Ganze ja angeblich auch auf wahren Begebenheiten, was den Gruselfaktor eigentlich noch steigern müsste. Grusel verspürte ich beim Lesen aber leider absolut gar nicht. Es gab lediglich eine einzige Szene, die Gänsehautfaktor gehabt hätte, aber die war dann auch so schnell vorbei, dass sich das Gefühl gar nicht erst manifestieren konnte. War das Buch dadurch langweilig? Keineswegs! Ich habe die Erzählung von Lena durchaus mit Spannung verfolgt und wollte mehr über das Herbsthaus und was es mit den Erscheinungen auf sich hat erfahren. Leider verstrickte sich die Ich-Erzählerin immer wieder in für die Geschichte absolut irrelevanten Gedanken, die das Ganze ausbremsten. Eine Straffung hätte dem Buch daher definitiv gut getan.

Blutige Szenen oder große Schockmomente braucht man bei diesem Tatsachenroman nicht erwarten, da seid ihr hier falsch. Aber wer auf klassischen Grusel aus ist oder generell Interesse an Spukgeschichten hat, könnte mit "Vierter Stock Herbsthaus" auf jeden Fall gut unterhalten werden. Ich wurde jedenfalls gut unterhalten, aber ich lese eben auch so mal gerne Internetberichte, die ja auch keinen besonderen Spannungsbogen haben. Ich finde die Thematik rund um Spukhäuser und verlassene Orte einfach interessant. Das Buch hätte vielleicht eine Leseratte mehr bekommen, wären da nicht die zahlreichen Rechtschreibfehler und die teilweise langatmige Erzählweise. So vergebe ich gute drei Leseratten.

 
Fazit: Für Leser, die sich schnell gruseln oder einfach Interesse an solchen Themen haben top, für alle, die eine rasante Handlung bevorzugen, lieber Finger weg! Ich bin mir allerdings sicher, dass es nicht mein letztes Buch von Oliver Susami war.

Bis dahin








P.S.: Fand ich die Geschichte denn nun eigentlich glaubwürdig? Nun ja, wie viel auf die dichterische Freiheit zurückgeht, kann ich jetzt nicht so ganz einschätzen. Aber Oliver Susami scheint seine Recherche gut gemacht zu haben. Natürlich habe ich nach Beendigung des Buches gleich im Internet recherchiert und das Spukhaus gesucht, obgleich Susami den Ort in seiner Erzählung abgeändert hat. Trotzdem ließ sich das echte "Herbsthaus" (nein, es heißt nicht so) relativ gut anhand der beschriebenen Vorkommnisse im Buch finden. Schon möglich, dass die echte "Lena" das alles so erlebt hat. Neugierig? Hier wird aber nichts verraten, da müsst ihr schon selbst suchen – oder lesen.
 








Kommentare:

  1. Dann warte ich wohl mal geduldige auf weitere Eindrücke von dir zu anderen Büchern von ihm!

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    1. Hast du schon etwas von ihm gelesen? :)

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    2. Nicht das ich wüsste :D Und bin wegen deinem Tweet neugierig geworden - aber da warte ich liebe auf weitere Eindrücke zu anderen Büchern ;)

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    3. Alles klar, mal schauen, wann ich mal wieder etwas von ihm lese. :) Du wirst es bestimmt auf Twitter erfahren :D

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